Gibt es wissenschaftliche Beweise für Biophotonen? Was die Forschung wirklich sagt
- 14. Apr.
- 6 Min. Lesezeit

Vielleicht hast du das Wort Biophotonen zum ersten Mal in einem Zusammenhang gehört, der dich eher skeptisch gestimmt hat. Wellness-Produkte, alternative Heilversprechen, Konzepte die sich schwer greifen lassen. Es ist verständlich, wenn man dann fragt: Steckt da wirklich etwas dahinter? Oder ist das eine dieser Ideen, die gut klingen, aber wissenschaftlich auf wackligen Beinen stehen?
Diese Frage verdient eine ehrliche Antwort, keine, die verkaufen will. Keine, die beeindrucken will. Sondern eine, die zeigt, was tatsächlich belegt ist – und was nicht.
Wenn du dir zuerst einen grundlegenden Überblick verschaffen möchtest, findest du hier eine verständliche Einführung zu Biophotonen einfach erklärt.
Biophotonen Wissenschaft: Wie alles begann
Der wissenschaftliche Ausgangspunkt liegt in den 1920er Jahren. Der russische Biologe Alexander Gurwitsch beobachtete damals, dass Zwiebelwurzeln, die er nebeneinanderstellte, das Wachstum der jeweils anderen beeinflussten – ohne direkten Kontakt. Er schloss daraus, dass Zellen miteinander kommunizieren könnten, und nannte dieses Phänomen mitogenetische Strahlung.
Die Messgeräte seiner Zeit waren nicht empfindlich genug, um das zu belegen. Der Gedanke verschwand vorübergehend – und kehrte Jahrzehnte später zurück.
In den 1970er Jahren begann der deutsche Biophysiker Fritz-Albert Popp systematisch zu messen, was Gurwitsch nur vermuten konnte. Mit modernen Photomultiplier-Detektoren wies er nach, dass lebende Zellen tatsächlich Licht aussenden – extrem schwach, aber messbar und reproduzierbar. Er prägte den Begriff Biophotonen.
Wie diese Messungen technisch funktionieren und warum sie so anspruchsvoll sind, erfährst du im Beitrag über Biophotonen messen.
Seitdem hat sich ein eigenständiges Forschungsfeld entwickelt. Laborgruppen in Deutschland, Japan, den Niederlanden, China und weiteren Ländern arbeiten an diesem Thema. Die Ergebnisse sind peer-reviewed, veröffentlicht in wissenschaftlichen Fachzeitschriften – kein Randphänomen, aber auch kein Mainstream.
Wenn du Themen wie dieses nicht nur oberflächlich verstehen willst, sondern wirklich einordnen möchtest, kannst du hier tiefer einsteigen:
Kein Spam. Nur fundierte Einblicke.
Biophotonen Nachweis: Was wurde tatsächlich gezeigt?
Das ist der entscheidende Teil, denn zwischen dem, was beobachtet wurde, und dem, was daraus gefolgert wird, liegt manchmal ein großer Schritt.
Was klar und reproduzierbar belegt ist
Lebende Zellen emittieren Licht. Das ist kein Streitpunkt in der Wissenschaft. Dieser Nachweis ist vielfach wiederholt und in verschiedenen Labors auf der Welt bestätigt worden. Pflanzenzellen, Bakterien, menschliche Hautzellen, Blutzellen – sie alle senden Photonen aus, im Bereich des sichtbaren und nah-infraroten Lichts.
Ebenso gut belegt ist der Zusammenhang mit dem oxidativen Stoffwechsel. Die Licht Emmission entsteht als Teil biochemischer Reaktionen in den Mitochondrien – genau dort, wo Energie produziert wird. Reaktive Sauerstoffspezies (ROS) spielen dabei eine zentrale Rolle.
Was diese Prozesse konkret im Körper bedeuten und wie Biophotonen mit dem Zellzustand zusammenhängen, wird im Detail im Artikel über Biophotonen im Körper erklärt.
Weitere belegte Beobachtungen aus publizierten Biophotonen Studien
Ultra-schwache Lichtemission in lebenden Zellen
Mehrere Studien zeigen, dass lebende Zellen kontinuierlich ultra-schwache Lichtemissionen (Ultraweak Photon Emission, UPE) aussenden[1]. Diese Emission ist reproduzierbar messbar und tritt bei Pflanzen, Bakterien und menschlichen Zellen auf. [Cifra, M., Fields, J. Z., & Farhadi, A. (2011) – Electromagnetic cellular interactions Progress in Biophysics and Molecular Biology]
Biophotonen als Nebenprodukt oxidativer Prozesse
Biophotonen entstehen im Zusammenhang mit oxidativen Stoffwechselprozessen – insbesondere durch Reaktionen mit reaktiven Sauerstoffspezies (ROS)[2]. [Cifra, M. & Pospíšil, P. (2014) Ultra-weak photon emission from biological samples Journal of Photochemistry and Photobiology B]
Reaktion auf Stress und äußere Einflüsse
Studien zeigen, dass sich Biophotonen-Emission bei Stress verändert – etwa durch oxidativen Stress, Umweltfaktoren oder physiologische Belastung[3].[Cifra, M. et al. (2011) sowie ergänzend Kobayashi, M. et al. (2009) Diurnal rhythm of photon emission]
Experimentelle Hinweise auf Zellreaktionen
Einige Studien deuten darauf hin, dass Zellen auf Lichtsignale reagieren können – ein möglicher Hinweis auf lichtbasierte Wechselwirkungen[4]. [Tang, R. & Dai, J. (2014) Biophoton signal transmission and processing in the brain]
Quellen und Links zum nachlesen, findest du am ende dieses Blogs.
Biophotonen Studie: Ein Blick in die Literatur
Wer tiefer einsteigen möchte, findet in der wissenschaftlichen Literatur eine überschaubare, aber solide Grundlage. Einige Orientierungspunkte:
Das Journal of Photochemistry and Photobiology
Eine der zentralen Fachzeitschriften, in der Biophotonen-Forschung publiziert wird. Peer-reviewed, international, mit strengen Qualitätsstandards.
Cifra, M. et al. (2011)
Electromagnetic cellular interactions – eine umfassende Übersichtsarbeit zur elektromagnetischen Kommunikation zwischen Zellen, einschließlich Biophotonen. Erschienen in Progress in Biophysics and Molecular Biology. Einer der meistzitierten Reviews in diesem Feld.
Van Wijk, R. (2014)
Light in Shaping Life – ein umfassendes Buch zur Biophotonen-Forschung, das sowohl den wissenschaftlichen Stand als auch offene Fragen klar zusammenfasst. Kein esoterisches Werk, sondern eine wissenschaftliche Aufarbeitung.
Popp, F.-A. & Beloussov, L. (Hrsg.) (2003)
Integrative Biophysics – ein Sammelband, der verschiedene Aspekte der Biophotonen-Forschung zusammenführt und den Stand der Forschung zur Jahrtausendwende dokumentiert.
Was die Wissenschaft noch nicht sagen kann
Hier ist Ehrlichkeit gefragt. Denn manche Schlussfolgerungen, die in populären Texten über Biophotonen gezogen werden, gehen deutlich weiter, als die Forschung es hergibt.
Was bislang nicht ausreichend belegt ist:
Das Biophotonen ein aktives Kommunikationssystem zwischen Zellen darstellen, das bewusst genutzt wird. Es gibt Hinweise, aber keinen Konsens.
Das ein kohärentes Biophotonen-Feld den gesamten Organismus steuert. Diese Idee ist faszinierend, aber noch nicht belegt.
Das Biophotonen-Messungen als klinisches Diagnosewerkzeug einsatzbereit sind. Die Forschung zeigt Potenzial – aber kein etabliertes Verfahren.
Das Biophotonen aus der Nahrung direkt therapeutisch wirksam sind. Auch das bleibt Hypothese.
Das bedeutet nicht, dass diese Fragen falsch gestellt sind. Es bedeutet, dass sie noch offen sind. Und das ist ein normaler, gesunder Zustand in der Wissenschaft.
Gleichzeitig zeigt sich im Körper, dass Biophotonen eng mit Stoffwechselprozessen verbunden sind – ein Zusammenhang, der im Artikel zu Biophotonen Funktion im Körper genauer beleuchtet wird.
Warum Biophotonen kein esoterisches Thema sind – aber manchmal so behandelt werden

Es ist kein Zufall, dass Biophotonen manchmal in der Nähe von Konzepten auftauchen, die wenig mit Wissenschaft zu tun haben. Das liegt an einem grundsätzlichen Muster: Überall dort, wo Forschung auf genuine Lücken im Verständnis stößt, entstehen Deutungsangebote – manche seriös, manche weniger.
Biophotonen berühren Fragen, die offen sind: Wie kommunizieren Zellen? Was koordiniert den Organismus als Ganzes? Gibt es mehr als biochemische Signalwege? Das sind legitime Fragen der Biophysik – und sie ziehen naturgemäß auch Antworten an, die über den aktuellen Stand der Forschung hinausgehen.
Der Unterschied liegt im Umgang mit Unsicherheit. Seriöse Forschung sagt: Wir wissen das, wir vermuten das, und das ist noch offen. Vereinfachende Darstellungen lassen diese Unterschiede verschwimmen.
Biophotonen selbst – das Phänomen – sind kein esoterisches Konstrukt. Sie sind messbar, reproduzierbar und Gegenstand internationaler Forschung. Was manchmal esoterisch wird, sind bestimmte Deutungen dieses Phänomens.
Was das für den eigenen Blick bedeutet
Wenn du das nächste Mal auf einen Text über Biophotonen stößt – ob in einem Gesundheitsmagazin, auf einer Produktseite oder in einer wissenschaftlichen Zusammenfassung – gibt es ein paar Fragen, die helfen, den Blick zu schärfen:
Wird zwischen Beobachtung und Schlussfolgerung unterschieden?
Werden Quellen genannt – und sind diese peer-reviewed?
Wird klar gesagt, was noch offen ist?
Oder wird Staunen benutzt, um Skepsis zu umgehen?
Diese Fragen schützen nicht vor dem Thema – sie helfen, es klarer zu sehen. Und das ist das Gegenteil von Ablehnung.
Wenn du tiefer einsteigen möchtest, kannst du dir auch ansehen, wie Biophotonen gemessen werden, welche Rolle Biophotonen im Körper spielen und wie das Thema Biophotonen grundlegend einzuordnen ist.
Was bleibt, wenn man ehrlich hinschaut
Biophotonen sind wissenschaftlich real. Das Phänomen ist messbar, reproduzierbar und vielfach publiziert. Der Zusammenhang mit dem Stoffwechsel ist gut belegt. Die Frage, welche Rolle Biophotonen in der Zellkommunikation und im größeren Systemzusammenhang spielen, ist offen – und wird aktiv erforscht.
Das ist kein schwaches Ergebnis. Es ist ein ehrliches. Und es ist ein Ausgangspunkt – für wer sich diesem Thema mit Offenheit und klarem Blick nähern möchte.
Denn am Ende ist es genau das, was gute Wissenschaft ausmacht: nicht das Versprechen von Antworten auf alle Fragen, sondern die Bereitschaft, ehrlich mit dem umzugehen, was man weiß – und was noch offen bleibt.
Gute Wissenschaft beantwortet nicht alles – aber sie hilft, die richtigen Fragen zu stellen. Wenn du genau solche Perspektiven regelmäßig bekommen möchtest:
Verständlich, differenziert, ohne Hype.
FAQ – Biophotonen Wissenschaft
Sind Biophotonen wissenschaftlich anerkannt?
Das Phänomen der Biophotonen-Emission ist wissenschaftlich belegt und in peer-reviewten Fachzeitschriften publiziert. Einzelne Deutungen und Hypothesen über ihre Funktion sind dagegen noch Gegenstand der Forschung.
Was belegt eine Biophotonen Studie konkret?
Studien belegen vor allem den Zusammenhang zwischen Biophotonen-Emission und dem oxidativen Stoffwechsel sowie veränderte Emissionsmuster bei erkrankten oder gestressten Zellen.
Warum werden Biophotonen manchmal mit Esoterik in Verbindung gebracht?
Weil das Phänomen echte offene Fragen berührt, die manchmal mit nicht belegten Deutungen gefüllt werden. Das Phänomen selbst ist wissenschaftlich – bestimmte Interpretationen gehen über den Forschungsstand hinaus.
Quellen & Studien zu Biophotonen
[1] Cifra, M., Fields, J. Z., & Farhadi, A. (2011)Electromagnetic cellular interactionsProgress in Biophysics and Molecular Biology https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20674588/
[2] Cifra, M. & Pospíšil, P. (2014)Ultra-weak photon emission from biological samples: mechanisms and applicationsJournal of Photochemistry and Photobiology B https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24726298/
[3] Kobayashi, M., Kikuchi, D., & Okamura, H. (2009)Imaging of ultraweak spontaneous photon emission from the human bodyPLoS ONE https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19606225/
[4] Tang, R. & Dai, J. (2014)Biophoton signal transmission and processing in the brainJournal of Photochemistry and Photobiology B https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24461927/
Hinweis zur Studienlage
Die genannten Studien dienen der Einordnung des aktuellen Forschungsstands. Während die Existenz von Biophotonen gut belegt ist, sind weiterführende Interpretationen – insbesondere zur Zellkommunikation – weiterhin Gegenstand der Forschung.
Weiterführende Literatur
Van Wijk, R. (2014)Light in Shaping Life: Biophotons in Biology and Medicine
Popp, F.-A. & Beloussov, L. (2003)Integrative Biophysics



